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Die ganz große Schnullerliebe

22. März 2018

Es vergeht kaum ein Tag ohne ein blödes Kommentar!

„Du bist doch schon groß!“

Unabhängig davon, dass die Größe wohl kaum etwas damit zu tun hat, hat es das Alter auch nur indirekt! Denn um was es dabei einzig und alleine geht, ist ganz offensichtlich das Bedürfnis! Das Bedürfnis nach Sicherheit! Das Bedürfnis nach Vertrautheit! Das Bedürfnis nach Beruhigung!

„Du BRAUCHST ja wohl keinen Schnuller mehr!“

Das wollen andere beurteilen können! Sie wollen es bestimmen und den Zeitpunkt aussuchen, wo das Kind den Schnuller abgeben MUSS! Dabei BRAUCHT es seinen Schnuller sehr wohl noch, sonst würde es diesen ja nicht mehr verlangen!

All diese Sprüche sind manipulierend! Dem schnullerndem Kind gegenüber! Es sagt „Dein Verhalten ist falsch! Du bist falsch!“! Sie sollen das Kind in seinem Verhalten verunsichern! Manipulieren! Googelt man das Wort „Erziehung“ findet man folgende Definition bei Wikipedia: „Unter Erziehung versteht man die pädagogische Einflussnahme auf die Entwicklung und das Verhalten Heranwachsender.“ Indem ICH Einfluss auf die Entwicklung und das Verhalten meines Kindes nehme und ihm den Schnuller verbiete o. ä., manipuliere ich es und greife in den natürlichen Reifeprozess des Kindes ein.

Schlichtweg wird sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt, sondern entschieden. Es wird nicht hinterfragt, warum das Kind noch schnullert, sondern schlicht auf das Alter und die Befindlichkeiten der Erwachsenen geschaut. Das Kind muss, wie so oft, folgen.

 

Die Macht der Eltern

Schon Kinder werden diesem Thema gegenüber so geimpft, dass Schnuller nur was für Babys seien und so ist es nicht wunderlich, dass Kinder andere Kinder mit Schnuller auslachen! Dem Kind ohne Schnuller ist in dieser Situation kein Vorwurf zu machen, denn es spiegelt nur die Haltung der Eltern und der Gesellschaft wieder – wenn du als „großes Kind“ noch einen Schnuller hast, ist das falsch“! Um es mal ein bisschen deutlicher zu machen, ich rede hier von bereits 2 Jährigen Kindern oder eben wie bei meiner Tochter, von einem 3 1/2 Jährigen Mädchen!

Viele Eltern wenden bei der Schnullerabgewöhnung die gute alte Schnullerfee an. Und genau darin liegt das Problem: „alt“. Diese Erziehungsmethode geht mit Belohnung und folglich Bestrafung einher und hat nichts mit dem freiem Willen des Kindes oder den eigentlichen Bedürfnissen zu tun. Diese werden schlichtweg von versprochenen Geschenken übermannt, sodass jedes Kind diesem Deal (zunächst) zustimmen würde. Wenn das Kind es dann nun leider noch nicht schafft, wird es damit bestraft, indem es das versprochene Geschenk nicht bekommt. Für kleine Kinder sind diese Erziehungsmaßnahmen einfach zu komplex. Es sagt nichts anderes als „Wenn du dein Bedürfnis unterdrückst, bist du gut und wenn du es eben nicht schaffst, bist du schlecht!“.

 

Der Deal mit der Angst

Wie bei so vielem, findet hier auch die klassische Angst-Mache statt. Dem Kind wird Angst gemacht! Kinder vertrauen ihren Eltern und glauben ihnen. Wenn wir ihnen also Angst machen, Angst vor schiefen Zähnen, Angst vor Hänseleien, Angst vor möglichen Sprachfehlern, glauben sie uns das. Angst war noch nie ein guter Partner. Habt ihr gerne Angst? Es ist ein beklemmendes Gefühl und ich denke kein Elternteil möchte, dass sein Kind Angst hat. Wenn wir solche Sätze allerdings äußern, liegt es nahe, dass das Kind diese nicht all zu gut verarbeiten kann und nur um dem Kind ein Bedürfnis abzugewöhnen, ist es das denke ich nicht wert.

 

Die veraltete Gesellschaft

Letztlich geht es doch zu großen Teilen um die Verurteilung und Abwertung der eigenen Kompetenz als Eltern. Das was andere von einem als Mama und Papa denken. Das was die Gesellschaft erwartet. „Das Kind von Laura hat immer noch einen Schnuller. Peinlich!“. Die Gesellschaft stellt die vermeidliche Verantwortlichkeit der Eltern über das Bedürfnis des Kindes.

 

Fakten

Schnullern hat auch Gutes.

Daumen lutschen ist ein angeborener Reflex. Nachweislich, saugen alle Babys schon im Mutterleib an Ihrem Daumen. Es sichert unserer Spezies das Überleben. So wird der Saugreflex trainiert und das Baby wird auf das Saugen an der Brust vorbereitet.

Heutzutage geht man von deutlich höherem Abstillalter, als damals aus, d. h. mindestens solange Kinder gestillt werden, haben sie auch ein Saugreflex und somit weiterhin ein Saugbedürfnis.

Saugen beruhigt, vermittelt Geborgenheit, hilft Stress abzubauen. Es regt die Produktion beruhigender Hormone. Es hilft bei der Impulskontrolle, da es aktiv und bewusst zur Eigenberuhigung eingesetzt wird

 

Nachteile vs. Bedürfnis

Klar, der Schnuller KANN auch Nachteile birgen. Er KANN die Sprachentwicklung behindern, er KANN Fehlstellungen des Kiefers hervorrufen. Das kann entstehen, muss es aber eben nicht.

 

Fazit | So machen wir es

Die Frage die sich einem dabei stellt ist letztlich nur, was einem wichtiger ist: Das Bedürfnis des Kindes zu befriedigen, dem Kind das zu geben was es braucht, hinter seinem Kind zu stehen, oder eben mögliche, aber behebbare Folgen zu vermeiden und in der Gesellschaft gut dazustehen. Wir haben uns für die Bedürfnisse unserer Kinder entschieden. Beide Kinder wollten einen Schnuller und wollen ihn noch. Wir bieten Ihnen immer wieder Möglichkeiten an, aber eben erpressen wir es nicht durch erfundene Geschichten und Geschenke. Perse bin ich nicht nicht für Belohnung, auch wenn ich weiß, dass damit auf gewisserweise die Bestrafung einhergeht, ich würde es nur eben nicht im Vorfeld anpreisen, sondern sozusagen als Anerkennung einfach machen. Oft finden wir auch gemeinsam Lösungen wie, dass wir versuchen den Schnuller nur im Auto und zum schlafen zu benutzen. Sich mit dem Kind zusammen damit auseinander zu setzen und Lösungen zu finden, empfinde ich hier für den richtigen Weg. So können beide Parteien sagen/aufzeigen was ihnen wichtig ist und es kann einfach ausprobiert werden. Ohne Druck. Klappt es nicht, versucht man es zu einem anderen Zeitpunkt oder mit einer anderen Lösung. Wir haben uns zur Zeit ZUSAMMEN das Ziel ihres Geburtstages ausgesucht bzw. tatsächlich kam dieser Vorschlag von meiner Tochter und wir werden sehen, was die Zeit bringt. Denn die haben wir. Erpressungen, Drohungen oder Machtausübungen haben bei diesem Thema nur schlichtweg nichts verloren. In diesem Sinne: Lasst euer Kind euer Kind sein. Es ist weder unsere und erst recht nicht die Aufgabe der Gesellschaft unsere Kinder zu formen. Sie sollen sich frei und vor allem bedürfnisorientiert entwickeln dürfen. Alles was wir tun müssen, ist ihnen zu erlauben sich zu offenbaren.

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